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Jan Koneffke - Gast des 2. Workshops Literaturübersetzung

Zwischen 4.-6.5.2015 war der mehrfach preisgekrönte Schriftsteller Jan Koneffke Gast unseres Instituts. Seinem 2008 erschienenen Roman Eine nie vergessene Geschichte galt der nunmehr zweite Workshop Literaturübersetzung, den unser Department in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und seinen engagierten MitarbeiterInnen (Beate Köhler, Marina Neacșu, Johannes Leichsenring) veranstaltete. 

Jan Koneffke schreibt, wie er selber mal meinte, gegen den Nebel der Geschichte. Diesem setzt er Imagination entgegen – keine üppige, keine zügellose, dafür aber eine geschichtsgerechte Imagination, mit deren Hilfe er charakterstarke Menschen in charakterlosen Zeiten, wie das 20. Jahrhundert es nun mal war, porträtiert und somit aufzeigen möchte, wie das Individuum sich über Jahrzehnte des Gräuels hinweg retten kann.  Zu seinem Schreibstil gehören von daher immer auch viel detektivischer Scharfsinn und endlose historische Sorgfalt.

Dass solche “nie vergessenen Geschichten”, wie diejenige der Familie Kannmacher, zwar durchaus erfunden, indes durchweg plausibel sind, erinnert an Goethes wohlproportioniertes Verhältnis von Dichtung und Wahrheit, die der Weimarer Titan zum literaturideologischen Mehrwert seiner Autobiografik machte. Jan Koneffkes Romane sind aber weit blickender als das, sie stellen den Rekonstruktionsversuch einer Vergangenheit dar, welche die historische Person des Autors und die literarisch postulierte Psyche des objektiven Erzählers um ein empathievolles Tauchen ins Tiefwasser der Generationsunterschiede übertrifft. Die Erzählerstimme vermag somit “in eines Anderen Sache” (Paul Celan) zu sprechen.

Für den Übersetzer erweist sich diese literarische Substanz zunächst einmal äußerst anspruchsvoll, denn nicht zu übersetzende Realien oder längst eingebürgerte, berühmte Ausdrücke und Redewendungen (“Vom ewigen Frieden”, “Kaiserwetter” usw.) lassen keine Ungenauigkeit zu, während andere Ausdrücke (“Es regnet Buttermilch”,  “Besser als frisches Brot” usw.) stilistische Freiheiten, je nach Expressivitätsmaßstäben der Zielsprache, nicht nur einräumen, sondern geradezu erfordern. So sagt man im Rumänischen besser ”pâine caldă” anstatt ”pâine proaspătă” für dt. frisches Brot, während rum. ”plouă cu zer” keinen sematischen Hinweis auf die Hungersnot in Kriegszeiten hervorruft, wie dt. Es regnet Buttermilch, das man schon seit Otfried Preußlers Kleine Hexe kennt, es reflexmäßig tut, von daher sollte man den Ausdruck besser mit rum. ”Plouă cu răbdări prăjite” übersetzen.

Schwer übersetzbar sind ferner die nicht seltenen synonymischen Reihen, mit denen der Autor sehr gekonnt spielt, um Erlebnisfülle zu suggerieren, und darüber hinaus einige Redewendungen, die im Text narrativ expliziert werden. So kann man z.B. den Lieblingsspruch der Dienstmagd Mathilde ”Wir kommen ja nicht aus der Walachei!” nicht durch ein rumänisches Äquivalent, etwa einen Phraseologismus, übersetzen (z.B. ”Nu mai scăpăm odată din sălbăticia asta!”), da der Erzähler gleich hinzufügt: ”Und was war diese Walachei, aus der Mathilde nicht kommen wollte?” Und er weist dann tatsächlich auf die historische Walachei hin. Der Ausdruck muss also literal übersetzt werden – dieses eine Mal.

Zum Teil schon während der Diskussionen mit erfahrenen Übersetzern (Alexandru Al. Șahighian, Gabriel H. Decuble) am ersten Workshop-Tag und dann endgültig während der Gesprächsrunde mit dem Autor am zweiten konnten aber die Workshop-Teilnehmerinnen (Anna Ciungu, Maria Gabriela Drăghici, Andreea Drăgulin, Andra Paraschiv, Alexandra Pavel, Lavinia Visarion) ihre Unklarheiten angesichts der schwer übersetzbaren Textstellen beseitigen.

Am 6.5., dem letzten Workshop-Tag, folgte eine zweisprachige Lesung mit Jan Koneffke und seinen Übersetzerinnen, die dem aus Studierenden und KollegInnen bestehenden, gesprächsfreudigen Publikum Anlass zur ästhetischen Freude und zur epistemischen Bereicherung gab. Koneffkes lebhafte Performance-Lesung aus seiner sprachspielerischer Lyrik wurde dann zum perfekten Ausklang eines perfekten Tages, wie die Bilddokumentation weiter unten zu zeigen bemüht ist.

Gleich in der Vorstellungsrunde ging man vertraut-freundschaftlich miteinander um  Und während der Lesung empfand das Publikum nicht ganz anders  Denn ob im persönlichen Gespräch mit den Moderatoren...

... im Gestikulieren ...  ... im Zuhören ...  ... in der Interpretation von schwierigen Textstellen ...

... oder während der Lesung, war der Autor stets unterhaltsam und doch zum Nachdenken anregend.  Das Rumänische der Übersetzungen klang für ihn heiter... ... und zum Erquicken schön.

So beschenkte er fairerweise das Publikum mit einer zusätzlichen, äußerst lebhaften Lesung aus seinen Gedichten.

 

 

 

Aléa Torik in Bukarest - Lesungen und Übersetzerworkshop

Vom 26. bis zum 30. Mai 2014 beherbergte die Bukarester Fremdsprachenfakultät einen Übersetzungsworkshop, der den deutschen Schriftsteller Claus Heck/ Aléa Torik als Gast hatte und ausdrücklich der Förderung des rumänischen Übersetzernachwuchses galt. Veranstalter waren das Goethe-Institut Bukarest und das Institut für Germanische Sprachen und Literaturen der Universität Bukarest.

Im Fokus des Workshops stand der nunmehr zweite unter dem literarischen Heteronym Alea Torik veröffentlichte Roman Claus Hecks, Aléas Ich, und die Entscheidung – dafür verantwortlich sind Beate Köhler und Marina Neacşu vom Goethe-Institut – war auch nicht ganz zufällig, da der Roman an Hand der postmodernen Kombinatorik von historiographischer Metafiktion und psychologischem Hyperrealismus gerade die Biografie einer nach Deutschland ausgewanderten rumäniendeutschen Frau inszeniert, die unter anderem auch an der Bukarester Universität Literaturwissenschaft bei Mircea Cărtărescu studiert haben soll und mitunter in Berlin angekommen einen Blog einrichtet, der das Entstehen des Romans dokumentiert. Im bunten Kaleidoskop von Realität, Fiktion und Metafiktion, worin sich die Persönlichkeit der pseudoautobiografischen Erzählerin Aléa auslebt, wird über Jahre (des Terrors und der Demokratie) und über (geographische und mentale) Grenzen hinweg deutlich, wie tief die deutsche und die rumänische Literatur miteinander verschränkt sind.   

Am Workshop haben einerseits Studentinnen und SCILL-Masterandinnen mit ausgeprägtem Interesse am literarischen Übersetzen (in alphabetischer Reihenfolge: Violeta Baroană, Ana Boteanu, Anna Ciungu, Maria Gabriela Drăghici, Anca Mădălina Elisei, Andreea Georgiana Nicolae, Claudia Papa, Lavinia Visarion) und andererseits erfahrene Übersetzer (Alexandru Al. Şahighian, Gabriel H. Decuble) teilgenommen.

In den beiden ersten Tagen trafen die ÜbersetzerInnen zusammen und besprachen in je zwei vierstündigen Sitzungen ausgewählte Romanfragmente, die im Vorfeld des Workshops von jedem Teilnehmer gesondert übersetzt worden waren. Aus dem Vergleich der verschiedenen Varianten ergab sich eine höchst fruchtbare Diskussion, in deren Rahmen man sich sowohl mit grundsätzlichen Überlegungen zur Aufgabe des Übersetzers bzw. allgemeinen Aspekten des literarischen Übersetzens als auch mit besonderen Problemen der Übertragung von deutschsprachigen Prosatexten ins Rumänische beschäftigt hat.

Dabei wurde der Wissenstransfer keineswegs vernachlässigt, der renommierte Übersetzer Alexandru Al. Şahighian – der u.a. Meisterwerke von Nobelpreisträgern Herta Müller und Günter Grass dem rumänischen Publikum zugänglich gemacht hat – verwies auf das Instrumentarium des profesionellen Übersetzers (mono-, bi- und plurilingualen Wörterbücher), auf die Art und Weise, wie man sich dessen bedienen soll, auf die gattungsadäquate Verwendung von Phraseologismen und Argot und selbstverständlich auf stilistische Finessen des Deutschen und des Rumänischen. Seinerseits sprach Gabriel H. Decuble über die Übersetzung als Phänomen der Interkulturalität, lieferte hierzu eine theoretisch fundierte Erklärung (vgl. Eugenio Coşerius Darstellung der in der Zielsprache stattfindenden, kulturell bedingten semasiologischen Dekodierung und onomasiologischen Rekodierung eines in der Ausgangssprache gültigen Kodes) und zeigte anhand von zahlreichen Beispielen aus dem Roman Aléas Ich, wie ein versierter Übersetzer zwar dubitativ, weil anspruchsvoll, und dennoch – paradox genug! – sicheren Schrittes verfahren soll: nicht einzelne Wörter werden übersetzt, sondern stets nur kulturell geprägte Kommunikationssituationen.

Natürlich behielt man einige Unklarheiten, offene Fragen und auch etwas Zweifel für sich, doch umso spannender war der dritte Tag, als die TeilnehmerInnen sich mit dem Autor treffen durften. Tiefere Deutungen von bestimmten Fragmenten wurden zu Tage gefördert, einzelne Textstellen beleuchtet, hermetisch wirkende Ausdrücke erläutert. Eine kurze Lesung und die anschließende Diskussion lieferten nicht nur den hermeneutischen Schlüssel des Romans, sondern auch die Rechtfertigung dessen, dass er fürs rumänische Publikum eine durchaus interessante Lektüre darstellen würde.

Am vierten Tag des Workshops saß der Autor vor einem Publikum, das hauptsächlich aus GermanistikstudentInnen bestand, so dass er weitere Fragmente aus dem Original lesen konnte. Dem Experiment zu Liebe hat jedoch auch eine der Übersetzerinnen ihr im Laufe des Workshops korrigiertes, literatursprachlich gefeiltes Fragment gelesen und somit gewährleistet, dass die durch die Romankonvention postulierte weibliche Erzählerstimme zur Geltung kommt. Allerdings sind ethnisch-nationale und geschlechtliche Bestimmungen des Individuums im Werk Claus Hecks reine Fiktionen, insofern kreiste die anschließende Diskussion mit dem Autor gerade um die Themen Identität und Authentizität.

Eine dritte bzw. vierte Lesung aus dem Roman Aléas ich erfolgten dann im Rahmen des Europäischen Literaturfestivals bzw. auf der Buchmesse „Bookfest 2014“, und stets kam es zu anregenden Diskussionen mit dem Publikum. „Allés in allém“ stieß Claus Heck in Bukarest, so der Gesamteindruck, auf kompetente und entdeckungsfreudige Leser, und die unten stehende Bilddokumentation kann diesen Eindruck nur bestätigen bzw. den vorliegenden Bericht um seine visuelle Dimension erweitern.

(ganz am anfang war noch alles ziemlich unklar, denn wir erwarteten eine frau...)  (...und vor uns stand ein mann...)  (...doch dann haben wir ins buch gelesen...)

(...und wir haben uns in die lektüre vertieft...)  (...und wir haben geblättert und nachgedacht...)  (und, um besser zu verstehen, haben wir überlegt, was wie am besten zu übersetzen wäre...)

(und man hat uns empfehlungen gemacht...)  (...allerlei empfehlungen...)  (...und man hat debattiert über schwierige textstellen...)

(...schwierige stellen, die im original lauerten...)  (...und wir haben uns den kopf darüber zerbrochen, dass „ausländer“ weniger als „fremde“ sind, wo doch das rumänische nur ein wort für beides parat hat...)  (...und wir haben fragen gestellt...)

(...und die antworten haben uns erheitert...)  (...oder leicht irritiert...)  (...doch man hat einander aufmerksam und geduldig zugehört...)

(...und das große publikum hat seinserseits begeistert dem autor zugehört...)  (...denn es war eine lesung, der auch so mancher klassiker beigewohnt hat...)  (...und langsam wurde uns allen klar, dass die literarische identität bloßes konstrukt ist, dessen regeln aber sowohl autoren als auch übersetzer einzuhalten haben, damit der text sein farbenrelief bewahrt...)

 

 

 

 

 

 

Pagină actualizată la 20 Decembrie 2015.